Seien Sie mutig! Oder wie Ihnen emotionale Intelligenz bei Entscheidungen hilft.

Der Wunsch, die absolut richtige Entscheidung treffen zu wollen, kann uns unentschlossen machen. Dabei gibt es «richtige» Entscheidungen eigentlich nicht. Allein schon deshalb, weil wir – insbesondere im Geschäftsleben – Entscheidungen treffen müssen, ohne über alle Informationen zu verfügen. Ausserdem würde uns in komplexen Situationen eine Fülle an Informationen gar nicht nützlich sein. Dem Benediktiner-Mönch Pater Anselm Grün zufolge sollten wir besser nach klugen Entscheidungen trachten statt nach richtigen. Eine kluge Entscheidung ist eine, die Wege in die Zukunft öffnet (inspiriert durch Anselm Grün 2019).

Was hilft uns kluge Entscheidungen zu treffen?

Es ist die Verbindung von Kopf und Bauch. Genaugenommen sind Bauchentscheidungen auch Kopfentscheidungen. Allerdings sind andere Hirnregionen involviert als beim gedanklichen Durchdringen einer linear-logischen Aufgabe. Bauchentscheidungen sind im Gehirn mit Regionen verbunden, die unsere Sozialkompetenz repräsentieren (Gigerenzer 2014). Die Intuition ist im Gehirn dort verortet, wo auch die Lebenserfahrungen angesiedelt sind. Das Hineinspüren in den Bauch kann uns daher helfen, komplexe Entscheidungen zu treffen. Das heisst, nicht-lineare Aufgaben richtig zu lösen. Nicht nur das. Eine auf Erfahrung beruhende Bauchentscheidung kann auch in weniger komplexen Situationen helfen.

Was fühlt sich stimmig an?

Aus Perspektive der Emotionalen Intelligenz ist es wichtig, in Entscheidungssituationen bei sich zu bleiben. Man könnte auch sagen, mit sich und seiner Kreativität in Berührung zu kommen. In manchen Entscheidungssituationen ist es nur so möglich, zu erkennen, was sich stimmig anfühlt und das hilft wiederum bei der Entscheidungsfindung. 

Nutzen Sie ihre Vorstellungskraft

Wenn Sie in einer Entscheidungssituation nichts fühlen können, sollten Sie Ihr Vorstellungsvermögen nutzen. Damit aktivieren Sie ähnliche Bereiche im Gehirn. Nämlich jene, die für das Nicht-Lineare, das Nicht-Logische verantwortlich sind. Gehen Sie hierfür folgendermassen vor:

  • So könnten Sie sich zwei Stunden oder auch einen ganzen Tag vorstellen, sich für Variante A entschieden zu haben.
  • Und für zwei Stunden oder einen weiteren Tag stellen Sie sich vor, Sie hätten sich für Variante B entschieden.
Wahrscheinlich kommen dann in Ihnen Gefühle hoch, die Ihnen bei der Entscheidung helfen. Hilft das nicht weiter, sollten Sie für ein paar Minuten die Augen schliessen und darauf achten, welche Bilder Ihnen in den Sinn kommen, wenn Sie an die eine Variante und dann an die andere Variante denken. Erwarten Sie dabei kein Gefühl der hundertprozentigen Sicherheit. Es hilft schon, eine Tendenz zu spüren (inspiriert durch Anselm Grün 2019).

Was Sie auf alle Fälle vermeiden sollten: Nachtrauern!

Trauern Sie der Alternative, gegen die Sie Ihre Entscheidung gefällt haben, nicht unbewusst nach. Ein bewusstes Betrauern meint, sich bewusst gegen die Alternative zu entscheiden und diese Entscheidung momentan nachwirken zu lassen. Ein Nachtrauern meint, später immer wieder zurückzublicken und sich zu überlegen, wie es hätte sein können. Letzteres kostet unnötig Energie, zieht Sie runter und hilft Ihnen nicht weiter.

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Quellen: 

  • Gigerenzer, Gerd 2014: Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, Random House Verlag, München 2014
  • Grün, Anselm 2019: Was will ich? Mut zur Entscheidung, Vortrag im Kloster Mariazell, Wurmsbach, 31.10.2019
  • Owen, Jo 2018: How to lead, 5. Auflage, Pearson-Verlag, Harlow 2018